Chronik

Fanfarenzug Zell i. W. 1959 e.V.

Von der Schlachthausmusik zum Weltenbummler,

1959 machte sich der damalige Präsident der Fasnachtsgesellschaft Zell (FGZ), Peter Pospiech, ernsthafte Gedanken um die Gründung einer eigenen Musikgruppe für die 5. Zeller Jahreszeit. Da es damals Mode war Fanfarenzüge zu gründen, entschloss sich auch die FGZ einen solchen Fanfarenzug mit Leben zu erfüllen.

Gesagt – getan, die ersten Männer wurden gefunden, in der Garage von Peter Pospiech in Freiatzenbach die Fanfaren und Trommeln ausgepackt und man machte gleich auf sich aufmerksam. Der erste Umzug führte vorbei am Schlachthaus, was später den Kosenamen “Schlachthausmusik” einbrachte, zum Schnetzerwald und von dort zur Roten Fabrik Richtung Stadtmitte. Über die Rathausgasse und den Blauener Weg ging es ins Kühloch zur ersten Probe.

Am 11.11.1959 stellte sich der Fanfarenzug dann anlässlich der Fasnachtseröffnung im Löwensaal erstmals mit den Märschen 1-er, 2-er, und 3-er öffentlich vor.

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1964 entwarf der Zeller Künstler Kurt Winkler, wie auch später für unsere Fahnenschwingerinnen, die heutigen schmucken Uniformen, welche im Laufe der Jahre zu dem Markenzeichen des Fanfarenzugs wurden und noch heute überall Bewunderung auslösen.

Erste interne Probleme und Missstimmungen mit dem Präsidium der FGZ traten 1965/66 auf und in einer FGZ-Präsidiumssitzung unter Leitung des Präsidenten Hans Fräulin ging es dann 1966 um Sein oder Nichtsein des Fanfarenzugs. Mit dem Ergebnis, dass Herbert Kummle in jener turbulenten Sitzung die Führung des Vereins übernahm.

Der kontinuierliche Aufstieg des Vereins begann. Im Kohlenkeller von Herbert Kummle entstand 1967 die Keimzelle des Vereins, der legendäre “ Fanfarenzug Keller ”. Zwei Jahre später wurde ein Jugendfanfarenzug gegründet.

1970 war ein ereignisreiches Jahr. Das 10-jährige Jubiläum wurde nachgefeiert, in der neuen Realschule wurde erstmals ein richtiges Probelokal bezogen und in einer heftigen und langen Nachtsitzung wurde die Männerherrschaft im Verein beendet, denn es wurde beschlossen auch Ehefrauen der Aktiven im Verein aufzunehmen. Es entstand eine Fahnenschwingerinnen- bzw. Rhythmusgruppe, die erstmals am 11.11.1970 vorgestellt wurde. Das Vorhaben der Vorstandschaft auch noch einen Mädchenfanfarenzug zu gründen, musste dann jedoch trotz großem Interesse aus finanziellen Gründen abgesagt werden.

Herbert Kummle infizierte dann 1972 seinen Fanfarenzug mit dem großen Traum, der da hieß: “Teilnahme an der Steubenparade in New York”. Man kann sich heute nur noch schwerlich vorstellen was diese Vision damals bedeutete und welche Emotionen sie im Verein weckte. Von außen als „Spinner“ belächelt, setzte man sich trotzdem das Ziel 1977 oder ’78 den Traum umzusetzen. Voller Eifer stürzten sich die Aktiven in die Arbeit. U. a. wurde erstmals Altpapier gesammelt und 1,2 Millionen Werbebriefe von Hand verpackt. 1973 nach einer Probe beschloss eine gemütlichen Runde im Gasthaus Schwannen zur vorgerückten Stunde bereits 1975 nach Amerika zu reisen. Dies geschah dann auch am 18.09.1975 als um 11:50 Uhr in Stuttgart ein Jumbojet mit dem Zeller Fanfarenzug Richtung Amerika abhob. Die Flugangst muss groß gewesen sein, denn der Erzählung nach soll dies der erste Jumbo gewesen sein, der ohne Tropfen Alkohol an Bord in New York landete. New York, Philadelphia, Washington und Baltimore hießen die Tourneeziele. Der Traum war wahr geworden.

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1976 erfolgte der Umzug des Probenlokals aus der Realschule in die neue Hauptschule und als neues Ziel wurde eine Reise nach Kanada 1980 festgelegt. Welche im August 1980 zusammen mit einer Abteilung der Häger Trachtenmusik und -gruppe durchgeführt wurde.

Toronto, Niagara-Falls und London, wo viele Ex-Zeller lebten, waren die Höhepunkte.

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1984 wurde der 25. Geburtstag des Vereins gefeiert. 20 Tage dauerte dann im Juli 1987 die 2. Kanadareise, bei der außer den vorgenannten Orten auch die Kanadische Hauptstadt Ottawa und die Olympiastadt Montreal besucht wurden.

Die längste Reise des Vereins wurde nachträglich überschattet vom all zu frühen Tod des damaligen Tambours Günter Stöffler Anfang 1988. Raimund Götz übernahm das schwere Erbe und hat das Amt heute noch inne.

In der Generalversammlung des 30. Vereinsjahr viel am 28.10.89 mit 24 Ja- und 1 Nein-Stimme, bei 5 Enthaltungen, die endgültige Männervorherrschaft im Zug und seither dürfen Mädchen und Frauen dem Fanfarenzug aktiv beitreten, ohne dass sie mit einem ‚Fanfarenzügler‘ verheiratet sein müssen.

1991 trennten sich dann die gesetzlichen Wege der FGZ und des Fanfarenzugs. Der Fanfarenzug wurde im Vereinsregister als Verein eingetragen und war somit selbständig.

12 Jahre nach der letzten Weltreise war 1998 die Steubenparade in New York wieder das auserkorene Reiseziel.

Nach dem 40-jährigen Jubiläum 1999 galt es ein neues Probelokal zu finden, da die Werkrealschule die Vereinsräume benötigte. Nach langer Ungewissheit fand man zusammen mit der Stadt Zell das neue Domizil im Turbinenhaus am Todtnauerliweg. In weit über 6000 Arbeitsstunden wurde nach Plänen und unter Regie von Roger Mistry und Volkmar Bialas das Haus renoviert, umgebaut und probentauglich gemacht. Am 01.05.2002 wurden die Räume mit einem Tag der offenen Tür der Bevölkerung vorgestellt. Der Bau stellte auch eine finanzielle Nagelprobe für den Verein dar, welche jedoch ohne Fremdkapital bestanden werden konnte.

Nach kurzer Erholungsphase reizte dieses Mal für die 5. Weltreise der Osten. Im Oktober 2007 besuchte der Verein 15 Tage lang Shanghai und Umgebung und lernte dabei eine völlig andere Kultur kennen.

Zwischen den Weltreisen wurden inzwischen hunderte von Auftritten und Ausflügen ins nahe In- und Ausland unternommen. Stuttgart, Hamburg, Speyer, Basel, Lugano, Locarno, Winterthur, Embrun, Metz, Straßburg, Chalon, Givry und Meran seien stellvertretend erwähnt.

2 Festhütten, die hauptsächlich am Zeller Städtlifest benutzt wurden und werden, wurden mit viel Einsatz gebaut und bildeten in den vergangenen 30 Jahren das finanzielle Rückrad des Vereins.


 Vereinsvorstände

1959 – 1966  keiner, Abt. der FGZ
1966 – 1975 Herbert Kummle
1975 – 1977 Heinz Helgert
1977 – 1979 Rudi Schwarz
1979 – 1983  Karl Seger
1983 – 1987 Heinz Helgert
1987 – 1989 Rudi Schwarz
1989 – 1995 Karl-Heinz Vollmer
1995 – 2001 Volkmar Bialas
2001 – 2011 Bernd Leimgruber
2011 – heute Frank Hutschenreuter

 


 Tambourmajore und musikal. Leiter:

1959 – 1965  Hans Lauber, Siegfried Wrobel, Heinz Kroll, Gerold Vollherbst und Herold Güdemann
1965 – 1974 Herold Güdemann
1974 – 1987 Günter Stöffler
1988 – heute Raimund Götz